Freitag, 11. April 2008

Pauschalcowboys

Morgens um halb sieben holt Peter uns in Rockhapmton ab. Peter ist Jahrgang 1933 und sein linkes Auge scheint ihm zu reichen, um durch die aufwachende Stadt und in das Outback hochzupreschen. Mit mir faehrt die 58jaehrige Dianne aus Melbourne, die sich ein paar Tage Urlaub von der Stadt nimmt.
Um acht sind wir auf Peters Farm angelangt. Hier auf Myella (http://www.myella.com/) lebt er seit er 20 ist. Anfang der 90er haben er, seine Frau Olive und seine Tochter Lyn begonnen, die Farm fuer Besucher zu oeffnen und sie fuer ein paar Tage das tun zu lassen, was sie aus ihrer Hollywood gepraegten Vorstellung vom Farmerleben erwarten. Das ganze aber mit einem echten Aussi-Flair serviert.
Wir legen Toast auf gebogene Drahtgitter und halten ihn uebers Feuer, das Teewasser kommt aus dem Billy, einem gusseisernen Kessel, der ueber dem Feuer haengt. Das ist uebrigens authentisch - auch wenn es auf Myella eine Kueche im Haus mit elektrischem Wasserkocher gibt. Bis neun Uhr habe ich passende Boots und ein langes Hemd gefunden und bekomme von Mel eine erste Unterrichtsstunde, wie ein Pferd funktioniert. Ausgesprochen einfach uebrigens, weshalb wir in sechseinhalb Minuten durch sind und ich zu "Abba" in den Stall krabbeln und sie herausfuehren soll.
Nun ja - ich habe nur wenig Respekt von Menschen, die staerker sind als ich, aber die kann ich ja auch verklagen, wenn sie mich verpruegeln. Aber so ein Pferd? Zudem gilt Abba als "Kicker". Ein paar Minuten spaeter sitze ich im Sattel und habe Vorwaertsgang und Bremse gefunden. Die uebrigens funktioniert nicht, wenn das Tier trinken will, dann geht so eine Art Autopilot los bis zur naechsten Traenke.
Kelsey sieht aus wie man sich ein Country-Girl vorstellt: langes blondes Haar, Hut und Karohemd. Sie wird mit uns die naechsten zwei Stunden ueber Myella reiten. Viele in der Gruppe sind Aussies und reden ueber das Gesundheitssystem oder Hauskredite. Ich ueberlege mir waehrenddessen, welcher Song jetzt gut passen wuerde. "Montana" von Zappa vielleicht. Hat einen huebschen Text, leider auch einen verflucht schwierigen Mittelteil, weshalb es fuer einen gemuetlichen Ausritt ausscheidet. "I hung my head" von Sting ist schon besser:

Early one morning / with time to kill
I borrowed Jebb's rifle /and sat on a hill
I saw a lone rider / crossing the plain
I drew a bead on him / to practise my aim
My brother's rifle / went off in my hand
A shot rang out / across the land
The horse he kept runnning / the rider was dead
I hung my head / I hung my head

Ich hab niemanden erschossen.

Als ich nach zwei Stunden vom Pferd steige begreife ich, wie es zu John Wayne's legendaerem schleppenden Gang kam. Vermutlich stand in seinem Vertrag "Muss vor jeder Szene zwei Stunden geritten haben".
Am Abend bringen wir die Kuehe mit ihren Kaelbern rein - zu Fuss Mann, wir sind doch nicht im Westen. Das ist einfach. Schwieriger ist es, dieKaelber fuer die Nacht von ihren Mamas zu trennen. Lyn bescheinigt mir "You've done really well - for the first time." Das ist eben auch sehr australisch: die Wahrheit so hoeflich zu umgehen, dass der Angesprochene es kaum merkt. Ich schlafe wie ein Stein. Am naechsten Tag werde ich einem Kaenguruh-Waisen die Flasche geben, aus Versehen einen Gallopp ueberleben, einen Weidezaun reparieren und die gleichen Rueckenschmerzen haben wie am ersten Tag. Nur woanders.

Keine Kommentare: